Über die kroatische Untersee



Das Adriatische Meer ist ein kleines, geschlossenes Meer, aber überraschenderweise doch so groß, dass sich darin einige der schönsten Tauchstellen der Welt verbergen, in denen das Leben reich und vielfältig vorkommt. Die Lebensformen der kroatischen Untersee sind ein Teil des Erbes der Evolution aus der fernen Vorgeschichte des Weltmeeres. Ein ausgezeichnetes Beispiel dafür sind die mehr als 500 Jahre alten Mittelmeer-Haarsterne oder die Quallen, Meerespioniere der Evolution, die auch heute gedeihen.

Ein Teil des Lebens ist jedoch die logische Fortsetzung der Evolution in getrennten Meeren, kleineren Meeresoasen wie dem Mittelmeer. Hier entstanden Arten, die im Mittelmeer hervorgebracht wurden und sich später überall verbreiteten. Das Adriatische Meer ist ein kleines, geschlossenes Meer und hat auf diese Weise, als Evolu- tionsbecken der Besonderheiten, auch seine eigene Arten des Lebens entwickelt.Aber, wie kann man das Leben im Adriatischen Meer für Taucher am einfachsten einteilen? Vielleicht ist es am leichtesten, es nach den Merkmalen eines Reliefs über und unter der See, der Art des Grundes, der Strömungsstärke und anderer nicht wissenschaftlicher Einteilungen zu gliedern, derer wir uns bedienen, wenn wir eine Tauchstelle beschreiben möchten. Und was für eine Form des Lebensraumes wir betrachten hat wesentlichen Einfluss auf die Auflistung der Arten, die wir finden können. Das Tauchen beginnt im seichten Wasser entlang der Küste. Die zerklüftete Küste, vor der 1246 Inseln, Inselchen, Felsen und Riffe liegen, kann Ihnen ein Bild vom Tauchen und von dem Leben geben, das sie erwartet. Das ist ein Leben von versenkten, steinigen Felsenwänden, Steinmorasten, und diese Tauchgänge sind auch am interessantesten. In seichteren Buchten und Küsten, an denen das Meer unerschöpflich den Stein auswälzt und verreibt, beginnt das Tauchen die ersten paar Meter auf einem Kiesboden, der auf den ersten Blick leblos zu sein scheint, jedoch zahlreiche ungewöhnliche Arten verbirgt. Sandufer gibt es nicht viele, doch verstecken sich in ihnen ungewöhnliche Arten. Wir gehen bis zum Grund, wo wir auf verschiedene Sedimente, Sand, Schlamm und unterschiedliche Arten stoßen, die von der Tiefe, in der wir tauchen, abhängig sind. Die Besonder- heit des Karstenreliefs der kroatischen Küste ist eine große Anzahl von Höhlen, Gruben und Löchern.

Unter dem Meer gibt es sie kein bisschen weniger als darüber und da das Meer rauer ist, sieht es oft danach aus, als ob diese Orte der ewigen Dunkelheit unbewohnt wären. Allerdings sind einige der interessantesten adriatischen Arten gerade hier zu finden. Die Wissenschaft über Meereslebewesen teilt die Meereslebensräume in Bereiche des offenen Meerwassers (Pelagial) und Bereiche des Meeresbodens (Benthal). Es ist klar, dass die Phantasie vor allem die Arten der offenen See anregen, von den größten Thunfischen, Schwertfischen bis hin zu Schwärmen kleiner blauer Fische, ohne die das Leben im und am Meer unvorstellbar wäre. Das Leben des Benthal ist für das Tauchen interessanter und reicher, besonders der Teil, der Litoral heißt, da er sich bis zu 200 Meter Tiefe erstreckt. Und diesen Teil gliedert man wieder in die Zone der Spritzwellen (Supralitoral), die Zone der Ebbe und Flut (Mediolitoral), die Zone der photophilen Algen und Meeresblumen (Infralitoral) sowie die Zone, in der es außer der Rotalgen keine sonstigen photophilen Algen gibt (Cirkalitoral) und in der die Sonne zu schwach für das Leben der Pflanzen und Algen ist. Die von der Sonne beschienenen seichten Wasser des Infralitorals. Das autonome Tauchen läuft für die große Mehrheit der Taucher in dieser Zone ab – der Zone des Infralitorals.

Die Tauchgänge Gemeiner Krake (Octopus vulgaris) beginnen zwischen den von der Sonne beschienenen Algen und gerade bis zu zehn Metern Tiefe können sie am anspruchslosesten sein, bieten jedoch oft die verschieden- artigsten Lebensformen. Die Sonne ist hier noch immer stark und sichert verschiedenen Algen, Pflanzen und Organismen, die aus unlebendiger Nahrung lebendige produzieren, das Leben. Sie sind die Ersten in der Nahrungskette. Nicht alle seichten Wasser sind gleich fruchtbar. Die kiesigen seichten Wasser, die ständigen Strömungen und Wellen ausgesetzt sind, halten den Boden ständig in Bewegung, weshalb sich Algen und Pflanzen nicht am Boden festsetzen können. Und dies bedeutet, dass es auch deutlich weniger Krebse, Fische, Nesseltiere, Vielborster, ... gibt. Trotzdem, hier findet man den größten aller Grundel – den Riesengrundel, verschiedene Einsiedlerkrebse, Schneckchen mit harten Häuschen und eine der ungewöhnlichsten Fischchen, die Strand-Schildbäuche. Die sandigen seichten Wasser sind voll mit Leben, das sich sogar bis zu einem Meter tief im Sand versteckt. Verschiedene Seeigel, Seesterne und Muscheln vergraben sich hier.

Wegen kleiner Partikel ist das Meer weniger klar, aber der Sand erlaubt es dem Seegras, auch hin und wieder seine Wurzeln zu schlagen, so dass eine Alge der Gattung Sar- gassum hervorsprießen kann, und an anderen Stellen entwickeln sich richtige Wiesen der wichtigsten Pflanze der Untersee – dem Neptungras. Das Tauchen verlangt unter diesen Bedingungen Eleganz und Graziösität in den Bewegungen, da zu viel Wedeln mit den Tauchflossen Sandwolken aufsteigen lässt, die die Sicht verringern, jedoch deshalb nachts verschiedene Fischchen anziehen, die sich im Sand ernähren. Meerbarben, Marmorbrassen und Rotbrassen werden Sie gerne begleiten, um zu sehen, ob Sie mit ihren Tauchflossen etwas aufdecken werden. Eines der ungewöhnlichsten Fischchen ist das Bartmännchen. Die Sandböden sind Kaiserreiche der Fische, die sich wie zahlreiche Schollen eingraben, jedoch auch derjenigen Fische, die aus dem Hinterhalt lauern, wie der Himmelsgucker und das beträchtlich giftigere Petermännchen. Im sandigen seichten Wasser filtriert das Meer auch die größte adriatische Muschel: die bis zu einem Meter große Steckmuschel. Dieser Endemit des Mittelmeeres ist eine ge- schützte Art. Meereswiesen sind die schönsten und wichtigsten Ökosysteme der Adria. Noch eine Pflanze, die dazu beiträgt und nur im Mittelmeer wächst, ist das Neptungras. In den Wiesen dieser Meerespflanze leben sogar 20% der Arten, in ihnen vermehren sich die Tiere, wachsen heran und finden Unterschlupf. Ihre Wurzeln sind mit dem san- digen Grund verbunden und verhindern eine Erosion. Die am meisten vorgenommenen und schönsten Tauchgänge gehören den Steinfelsen der Inseln und der Küste, die in Extremfällen vertikal auch bis zu über 100 Meter in die Tiefe stürzen. Hier finden wir eine Tierwelt, die in den tieferen Wasserschichten am stärksten von Meeresströmungen abhängig ist. Von Strömungen, die winzige Nahrungspartikel für unzählige Filtrierer des Meeres herantragen. Die ersten Tiere, die primitivsten, sind Schwämme, eigentlich handelt es sich um Kolonien winziger Einzellebewesen, die von dem leben, was ihnen das Meer bringt. Ihre Gestalt ist unregelmäßig, oft sehen sie wie ein Stein oder Kamin aus, manche sehen sogar einem Elefantenohr ähnlich. Ein Tier zu sein, das sein gesamtes aktives Leben wie eine Pflanze an einem Ort verbringt, ist in der Untersee nichts Ungewöhnliches. Zu solchen zählen wir auf jeden Fall die Nesseltiere und ihre schönsten Repräsentanten sind verschiedene Gorgonien sowie Steinkorallen. Der schönste Anblick in der Untersee. Hier finden wir Muränen, Meeraale und Drachenköpfe. Unvorstellbare Farben und Formen.
Höhlen
Lebensarm, aber herausfordernd für Taucher. Viele verbergen Spuren von Stalaktiten, Stalagmiten aus der Eiszeit, als sie sich im Trockenen befanden. Wegen des Mangels an Sonne und Strömungen sind sie nicht reich an Leben. Auf dem Sedimentboden treffen wir meistens auf die Seeanemone, die Mittelmeer-Zylinderrose und den kleinen Leopard-Grundel. Die Eingänge und Öffnungen der Höhlen sowie ihre schattigen Decken sind mit Nesseltieren, Gelben Steinkorallen bedeckt.
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